Geschichte des Bürgerhauses

Wie alles begann

Gleich nach dem Kauf des Stauffenbergischen Anwesens im Jahre 1971 durch die Gemeinde Lautlingen (später Stadt Ebingen und ab 1975 Stadt Albstadt) gab es Überlegungen, mit welcher Nutzung die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des ganzen Areals der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden könnten. Für Schloss, Forsthaus und Gesindehaus fanden sich jeweils zielstrebig realisierte, sinnvolle Verwendungen.

Dem gegenüber fristete die Scheuer ein Schattendasein. Es gab zwar auch für sie seit 1975 Planspiele und Initiativen aus Bürgerschaft und Verwaltung für Bürgerhaus, Museum, Gastronomie. Sie gipfelten in einer Aktion der Verwaltung, die Schloss-Scheuer einem Betrieb der international anerkannten Gourmet-Gastronomie zuzuführen. Es gab Versuche, verschiedene Investoren dafür zu gewinnen. Alle Pläne scheiterten oder wurden als unausgereift oder politisch nicht durchsetzungsfähig wieder auf Eis gelegt.

Der Jahrtausendwechsel bescherte u.a. der öffentlichen Meinung allgemein die Vorliebe für wieder bescheidenere Lösungen auf allen Gebieten. So mag es nicht ganz zufällig gewesen sein, dass zu der Zeit neue Denkanstöße in Sachen Schloss-Scheuer aus der Bürgerschaft, dem Ortschaftsrat und der Stadtverwaltung weg von „noblen“ Lösungen zum bescheidenen Bürgerhaus führten.

Erste Gespräche

Im April 2000 sucht Juliane Gärtner das Gespräch mit Helmut Hofele und Klaus Hetges über die Zukunft der Schloss-Scheuer. Sie griff die Idee von neuem auf, dass aus der Schloss-Scheuer ein Bürgerhaus werden soll. Vor Jahren gab es eine Initiative, die schon einmal diese Idee hatte. Nach dem sie feststellen konnte, dass diese Illusion immer noch Begeisterung bei den beiden Herren fand, suchte sie ein Vorgespräche mit BM Mänder, dort fand sie große Zustimmung. Später fanden weitere Gespräche mit OB Dr. Gneveckow und Kulturamtsleiter Roscher statt, die zeigten schnell einen überraschenden Konsens Bürger – Ortschaftsrat – Verwaltung. Als von dort signalisiert wird, man werde einem einmütigen Wunsch, der ehrenamtliches Engagement der Bürger voraussetzt, nicht ablehnend gegenüberstehen, kommt Bewegung in die Initiative.

Die Zeit ist reif

Diese Begegnungen ermutigten Juliane Gärtner, im Januar 2001 Vorgespräche mit Ortsvorsteher Koller und einigen Ortschaftsräten über die Nutzung und Planung zu führen. Das Thema wird im Stadtteil diskutiert. Im April 2001 organisierte sie ein Treffen, wo sie Ortschaftsräte, Vereinsvorstände, Handwerker und interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einem ersten Gespräch ins Albvereinsheim einlud. Dort stellt sie die Frage an die über 30 Anwesenden, ob sie sich vorstellen könnten die Idee von einem Bürgerhaus mitzutragen. Mit der Initiative konnte sie offene Türen finden. 27 Anwesende trugen sich gleich als Mitglied ein. Man will sich „Arbeitskreis Schloss-Scheuer zum Bürgerhaus“ nennen. Dies war die Geburtsstunde des Vereins.

Von da an überschlagen sich die Ereignisse. Sie organisiert im Jahr 2001 Ausfahrten, man fährt hinaus, um ähnliche Projekte zu besichtigen. Die Arbeitsgruppe gliedert sich, zukünftige Funktionsträger werden designiert. Juliane Gärtner übernimmt den Vorsitz, den sie bis heute inne hält. Das Büro Schlüter fertigt zusammen mit dem Stadtplanungsamt erste Planskizzen, andere Albstädter Bürgerinitiativen – Kasten Onstmettingen, Maschenmuseum Tailfingen – werden um Erfahrungen und Rat gefragt. Es wird empfohlen aus steuerlichen Gründen als eingetragen Verein sich zu formieren. Eine erste Jahresgabe wird kostenlos an die ganze Einwohnerschaft verteilt. Thema "Schloss einst und heute", diese wird von Heiko Peter Melle gefertigt. Jetzt muss die Idee Schloss-Scheuer populär gemacht werden.

Vereinsgründung

Schließlich wurde Samstag, 16. März 2002, im Heim der Gartenfreunde beschlossen, den „Arbeitskreis Schloss-Scheuer" zum Bürgerhaus ins Vereinsregister einzutragen "e.V.“.

Spendenkonto und Publikumsknüller

In den ersten Jahren ist einziges Ziel, auf ein Spendenkonto möglichst viel Geld zu zusammenbringen. Dazu sind alle wirkungsvollen Ideen recht. Im Dezember 2002 findet die erste „Lautlinger Schlossweihnacht“ statt, ein vorweihnachtlicher Treffpunkt mit Programm und Verkauf von Glühwein und Roter Wurst. Der Nikolaus beschenkt die Kinder. 2005 folgt der erste „Lautlinger Besen“, ein Weinfest der besonderen Art. Beide sind von Anfang an Publikumsknüller und heute im Jahresablauf des Stadtteils nicht mehr weg zu denken. Bei allen sich bietenden Gelegenheiten, bei Festen der Stadt – etwa bei der Tunneleinweihung oder bei Sportevents, bei Schlosskonzerten, ja bei privaten Feiern übernehmen fleißige Geister des Arbeitskreises die Bewirtung.

Großzügige Spender

Der Eifer und die Ideen des Arbeitskreises bekommen für manche Vorbildcharakter, die es sich dann nicht nehmen lassen, das Spendenkonto mit größeren Beträgen spürbar zu stärken, und das so beispielsweise schon 2007 sechsstellig wird.

Jahresgabe

Zur Spendenfreudigkeit trug nicht zuletzt auch die Jahresgabe bei. Gab es dafür zunächst noch kein durchgängiges Thema, gab es ab 2004 die Idee, die Lautlinger Ortschronik als Fortsetzungsreihe zu präsentieren, die wiederum von Heiko Peter Melle herausgebracht wird.

Wie machen es andere?

Nach den ersten Informationen beim Onstmettiger Kasten, beim Tailfinger Maschenmuseum und der Privatinitiative Lautlinger Nähmaschinenmuseum blickte der Arbeitskreis in die nähere und weitere schwäbische Heimat, wo es viele ähnliche Beispiele von bürgerlichem Engagement gibt: Bierlingen, Felldorf, und Glatt, Beuren und Grafenhausen, Eglofs, Baisingen, Heiligenberg sind Beispiele, wo die Lautlinger viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnten.

„Echt gut – Ehrenamt in Baden Württemberg“

2006 erhält der Arbeitskreis die Ehrenurkunde zur erfolgreichen Teilnahme beim Wettbewerb „Echt gut – Ehrenamt in Baden Württemberg“.

Es geht zur Sache

Bei all den vielfältigen Aktivitäten verlieren die Verantwortlichen nie das Ziel aus den Augen: Umbau. In zahllosen Sitzungen und Gesprächen nähern sich Arbeitskreis und Stadtverwaltung in Person von Bürgermesiter Rainer Mänder immer mehr, bis ein für alle befriedigender Nutzungsvertrag die beiderseitigen Rechte und Pflichten unter Dach und Fach bringt. Als dann schließlich am 27. September 2007 der Gemeinderat die Nutzungsvereinbarungen einstimmig absegnet und dem Arbeitskreis aus allen Fraktionen beispielhafte Arbeit bestätigt wird, ist ein erster Höhepunkt erreicht.

Der Weg zum Bau

Die ersten Planskizzen fertigte 2001 noch das Architekturbüro Schlüter. Doch in der Zwischenzeit war Axel Schlüter verstorben. Bis ins Jahr 2006 wird dann das Bauvorhaben immer konkreter. Ein entscheidender Schachzug ist die 2006/07, dort führt Juliane Gärtner ein 1. Gespräch mit Architekt Wolfgang Riehle, der von dem einzigartigen Schlossareal hell begeistert ist. Hier beginnt die Zusammenarbeit von Arbeitskreis und Stadtverwaltung einerseits, sowie Statikbüro Bitzer-Weber-Nolle und Architekturbüro Riehle und Partner andererseits. Über Finanzierung und Baupläne wird von jetzt an gradlinig weitergedacht. Als dann Anfang März 2008 dem Arbeitskreis und der Stadt 50% Zuschuss zu den Baukosten aus ELR – Mitteln genehmigt werden, geht es zielgerichtet auf den Baubeginn zu. Im Juni 2008 entrümpeln die Helfer aller Vereine die Scheuer. Im Oktober 2008 hat sich schon ein harter Kern Eigenleistung erbringender Mitglieder gebildet, unsere „Baulöwen“. Sie bauen die Sandsteinplatten aus, befreien die Decke von altem Spreu und reißen den provisorischen Kücheneinbau ab. Nur durch das außerordentliche ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten war es möglich, dass dieser Zuschuss gewährt wurde.

Bauzeit

Offizieller Baubeginn ist am Donnerstag, 16. April 2009 mit der Firma Löffler, Stetten a.k.Markt.

Dann schreitet der Bau fort mit einigen bemerkenswerten Daten:

  • Schrittweise Unterfangung des ganzen Gebäudes
  • Tiefbohrung für die Erdwärmeheizung
  • Statische Stabilisierung des ganzen Gebäudes und des Dachstuhls
  • Fachgerechte Renovierung von Tuffsteingemäuer und Holzdecke
  • Fensterbau, die Holztore werden durch Glasflächen ersetzt
  • Neue Isolierung der ganzen Decke
  • Sanitär-, Boden- und Wandfliesenarbeiten
  • Einbau der Küche - Malerarbeiten
  • Anschaffung von Geschirr, Besteck, Gläsern, Tonanlage usw.


Einweihung

Am Freitag, 8. Oktober 2010, also nach eineinhalb Jahren Bauzeit wird das neue Bürgerhaus „Schloss-Scheuer“ als ein Beispiel vorbildlichen Bürgerengagements und kooperationsfreudiger Verwaltung feierlich eingeweiht.

Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Vereins. Die Verantwortung, sowie die Unterhaltung dieses Gebäudes ist nun die neue Aufgabe.